Der neue Job

In: Allgemein

15 Jan 2010

Es hatte so lange gedauert, bis ich überhaupt ein Praktikum bei diesem Sender bekommen hatte. Ich habe sehr viele Bewerbungen geschrieben, aber ich wollte unbedingt zu diesem einen Radiosender. In dem halben Jahr, in dem ich mein Praktikum absolvierte, habe ich viel Blut und Schweiß gelassen. Ich hatte Kopien für jeden gemacht, Kaffee gekocht und an jeden verteilt und nun wirklich alle Arbeiten gemacht, die eigentlich in die absolut unterste Schublade gehörten, aber das alles war mir völlig egal. Wenn ich alle meine aufgaben zur vollsten Zufriedenheit des Chefs erledigen würde, bestand die Chance, dass ich einen Job bekommen könnte und mich dann ganz langsam zum Radiosprecher hoch arbeiten könnte.

Und genau dies war mein eigentliches ziel, ich wollte irgendwann eine eigene Show.Der Chef des Senders war ein absolutes Scheusal, wie er im Buche steht.

Er zerstörte immer wieder jegliche Hoffnungen auf einen frühen Feierabend oder auch Arbeiten, die nicht mal nichts mit Kaffee holen, Kopieren oder putzen zu tun hatten. Es kostete mich jeden Tag neue Überwindung, diesem Menschen nicht einmal ordentlich die Meinung zu sagen.Er hatte es gar nicht verdient, eine eigene Sendung zu haben. Seine Witze waren schlecht und die Übergänge zu neuen Themen oder neuen Musikern hätte selbst ein Kleinkind besser machen können. Aber ich blieb immer freundlich und erledigte die Aufgaben, die er mir auftat, nur mein eigenes Ziel vor Augen, ihm irgendwann seinen Platz streitig zu machen. Ich hatte nicht viele Freunde im Sender, aber es gab noch einen zweiten Praktikanten im Sender, mit dem ich mich hervorragend verstand. Stefan. Wenn wir Pause hatten, haben wir uns zum Mittagessen immer in die Senderäume geschlichen um in Ruhe Mittag zu essen.

Er war der einzige, mit dem man wirklich offen reden konnte, ohne, dass man Angst haben musste, dass ein anderer Mitarbeiter es gleich dem Chef erzählt. Bei einem leckeren Burger lästerten wir dann endlich einmal in Ruhe, was das Zeug hielt, und wir hielten wirklich kein Blatt vor den Mund, denn wir waren ja unter uns. Als wir nach dem Essen wieder an die Arbeit gehen wollten, stand unser Chef direkt vor der Tür und erklärte uns, dass wir ab morgen nicht mehr zu unserem Praktikum antreten müssten. Als Antwort auf unsere verdutzten Gesichter erklärte er uns, dass er nach seiner Sendung vergessen hatte, das Mikrofon aus zu stellen und er hatte jedes einzelne Wort genauestens mitbekommen, und nicht nur er, sondern auch die gesamte Belegschaft. So war der Traum einer eigenen Radiosendung für mich erstmal gestorben und ich musste mir erstmal einen neuen Praktikumsplatz besorgen.Ich habe meinen Traum natürlich trotzdem nicht aufgegeben, aber seit diesem Missgeschick habe ich nie wieder über jemanden gelästert, denn man weiß ja nie, was alles passieren kann!

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren...

Comment Form

Über diese Seite

Um alltägliche Missgeschicke zu vermeiden stehen auf unserer Seite xfools.com Missgeschicke im Vordergrund. Wir berichten über aktuelle Ereignisse und versehen diese mit unserer persönlichen Priese Humor.

Der alltägliche Wahnsinn

“Was schiefgehen kann, geht auch schief”.
Vor 60 Jahren formulierte Edward Murphy diesen Satz.